Bolivien Downhill auf der Yungas-Straße

Die Yungas-Straße in Bolivien ist ein Adrenalinkick für Mountainbiker. Auf einer schmalen und kurvigen Schotterpiste geht es Tausende von Metern immer bergab - dabei durchquert man fast alle Klimazonen Südamerikas.

Mit hoher Geschwindigkeit fahren wir auf unseren Mountainbikes um die Kurven der schmalen Schotterpiste. Rechts ist eine schroffe Felswand, links ein steiler Abhang. Die Straße ist staubig und schlängelt sich über Hunderte von Metern bergab. Wir sind in einer kleinen Gruppe unterwegs, aber jeder ist für sich und das Einschätzen der Geschwindigkeit selbst verantwortlich. Ich will ganz vorne mit dabei sein und rase über den Schotter. In einer Rechtskurve verliere ich jedoch die Kontrolle und schaffe es gerade noch, das Lenkrad herumzureißen. Vor einer Felswand komme ich zum Stehen - zum Glück, denn auf der anderen Seite geht es fast senkrecht in die Tiefe.

Die einspurige unbefestigte Yungas-Straße in Bolivien wurde 1995 offiziell zur gefährlichsten Straße der Welt erklärt. Sie führt von La Paz nach Coroico. Nach einem ersten asphaltierten Abschnitt wird sie ab Chusquipata schmal, felsig und sehr kurvenreich. Ohne Leitplanken oder andere Begrenzungen führt der Weg, eingerahmt von senkrecht in die Höhe ragenden Wänden, 50 Kilometer hinab ins subtropische Coroico. Ihren Beinamen "Death Road" hat die Straße nicht ohne Grund: Bis 2006 starben hier jährlich viele Menschen bei Bus- und Autounfällen. Die Fahrzeuge standen in den engen Kurven zum Teil Kühlerhaube an Kühlerhaube und konnten kaum vor oder zurück. Zwar galt die Linksverkehr-Regel, damit die Fahrer die Nähe ihres Fahrzeuges zum Abgrund besser einschätzen konnten, zu Unfällen kam es dennoch regelmäßig - oftmals mit tödlichen Folgen.

Seit eine asphaltierte und breite Umgehung gebaut wurde, ist auf der "Straße des Todes" jedoch kaum noch Verkehr, wodurch auch die Unfallzahlen drastisch gesunken sind. Da Busse und Laster nun die neue Strecke wählen, sind abenteuerlustige Mountainbiker und die Fahrzeuge der Touranbieter nahezu die einzigen, die die Yungas-Straße noch benutzen.

Mit dem Mountainbike durch die Klimazonen Südamerikas

Unsere Fahrradtour beginnt auf dem 4500 Meter hohen La Cumbre Pass und endet in dem in der Gegend am tiefsten gelegenen Ort Yolosa, kurz vor Coroico. Auf der rund 70 Kilometer langen Strecke werden 3500 Höhenmeter überwunden und fast alle Klimazonen Südamerikas durchquert. Gar nicht so einfach, sich unter diesen Umständen richtig zu kleiden. Glücklicherweise versorgen die Veranstalter die Radler nicht nur mit robusten Mountainbikes sondern auch mit Hosen, Jacken, Handschuhen und Helmen gegen Staub, Wind, Nässe - und eventuellen Stürzen.

Die Landschaft auf dem La Cumbre Pass ist karg, auf den Bergspitzen liegt puderiger Schnee. Niemand wohnt hier. In voller Montur geht es auf den Rädern als erstes 20 Kilometer bergab. Manchmal, wenn sich die übergroßen Regenjacken beim Fahren wie Segel im Wind aufblasen, scheint es so, als würde man trotz des Gefälles kaum vorwärts kommen. Aber irgendwie geht es dann doch voran. In Chusquipata beginnt schließlich der schmale Abschnitt der Yungas-Straße und damit das eigentliche Abenteuer.

Die "Death Road" - ein Nervenkitzel

Über Steine und durch Nebel hindurch brettern wir die Straße hinunter. Drei Guides begleiten unsere zwölfköpfige Truppe: Einer fährt vorweg, einer in der Mitte und einer am Ende. Die Kleinbusse, auf denen vorhin noch unserer Fahrräder transportiert wurden, bilden das Schlusslicht des Trosses.

 

LKW auf der Yungas-Straße
Anika Haberecht
Das erwartet die Biker: enge Straßen, steile Klippen.

Es macht großen Spaß über die kurvige Schotterpiste zu düsen, den immer wärmer werdenden Fahrtwind auf der Haut zu spüren, und hin und wieder einen plötzlichen Adrenalinstoß zu bekommen, der sich als sanftes Kribbeln im ganzen Körper äußert. Ein paar Biker gehen auf dieser Tour auch an ihre Grenzen - dennoch, Konzentration ist immer gefordert. Je weiter vorne man mitfährt, desto seltener wird man von Mitfahrern ausgebremst. Und wer will schon als Letzter ankommen? Gegenseitige Rücksichtsnahme ist natürlich selbstverständlich.

Auf enge Kurven folgen von Schlaglöchern übersäte geradlinige Streckenabschnitte und umgekehrt. Unendlich scheint der Weg auf der Yungas-Straße und während sich der Staub der Straße über die Gesichter der Mountainbiker leg, ist die Kälte von La Cumbre längst vergessen. Jeder Zwischenstopp ist eine willkommene Gelegenheit, sich nach und nach eines Kleidungsstücks zu entledigen, und den Puls wieder ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen.

3500 Höhenmeter und 70 Kilometer später

Nach einer fünfstündigen Abfahrt ist der Zielort Yolosa in den Tälern der Yungas erreicht. In einem kleinen Kiosk gibt es kühles Bier, anschließend eine Dusche im benachbarten Coroico. Für ein paar Minuten wuseln die vom Staub umhüllten Biker aufgeregt umher. Der Adrenalinschub verblasst nur langsam, hinterlässt aber ein wohliges Gefühl. Erst später, im Kleinbus auf dem Weg nach La Paz, kommt man langsam wieder zur Ruhe. Alle aus der Gruppe sind heil und unversehrt im Tal angekommen. Die Gedanken an die "Death Road" besiegt jedoch die Müdigkeit. 

Autor

Anika Haberecht
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