Down Under Mit dem E-Bike rund um Australien

Maximilian Semsch umrundete in sechs Monaten den Roten Kontinent - Australien. Mehr als 16.000 Kilometer liegen hinter ihm. Eine Reise mit dem Fahrrad in Down Under.

Maximilian Semsch liebt das Abenteuer. Nach einer dreijährigen Weltreise mit 21 Jahren, fuhr er 2008 mit dem Fahrrad alleine von München nach Singapur. 13.500 Kilometer legte er zurück und durchquerte auf seiner Tour zehn Länder. Entstanden ist der Dokumentarfilm "What a Trip - mit 15 km/h ans Ende der Welt", der mit dem Bayrischen Nachwuchsfilmpreis ausgezeichnet wurde. Nun gibt es eine "What a Trip"-Fortsetzung, Maximilian Semsch ist von seiner zweiten großen Reise mit dem Fahrrad zurück: Er hat in sechs Monaten einmal Australien mit einem E-Bike umrundet.

.de: Maximilian Semsch, nach 2008 gingen Sie zum zweiten Mal auf große Tour. Sie sind auf dem Highway 1 einmal um Australien mit dem Fahrrad gefahren. Was war Ihre Motivation, erneut das große Abenteuer anzutreten?
Maximilian Semsch: Nach meiner ersten Reise 2008 wollte ich wieder hinaus in die weite Welt - und auch dieses Mal nicht auf das Fahrrad verzichten. Das Fahrrad ist für mich einfach die beste Art, sich auf Reisen fortzubewegen. Das Radfahren ist für mich wie meditieren, es gibt mir wahnsinnig viel Kraft. Mit dieser Tour, einmal rund um Australien, habe ich mir einen großen Traum erfüllt.

Nun haben Sie Australien aber nicht mit einem normalen Fahrrad bereist, sondern mit einem E-Bike. Warum?
In der Fahrradbranche ist im Moment die Elektromobilität ein großes Thema. Darauf konzentrieren sich viele Hersteller. Ich musste aber feststellen: Zwar redet jeder darüber, aber außer kurzen Wegen in der Stadt oder im Rahmen eines Tagesausflugs hat noch niemand weite Strecken mit einem E-Bike zurückgelegt. Das hat mich gereizt und so war die Idee geboren, die erste und bisher längste E-Bike-Testfahrt durchzuführen.

Und hat das E-Bike den Test bestanden?
Auf jeden Fall, bis auf wenige Platten, einen Speichenbruch und einen defekten Kettenspanner gab es keine größeren Probleme. Die Technik ist mittlerweile so zuverlässig, auch solche langen Strecken unter extremen Bedingungen zu überstehen.

Wie war der Verlauf der Tour?
Ich bin vor dem Opernhaus in Sydney, dem Wahrzeichen der Stadt, gestartet. Im Uhrzeigersinn folgte ich dem Highway 1: nach Melbourne und Adelaide, weiter über die Nullarbor-Ebene bis an die Westküste nach Perth. Den nördlichsten Punkt meiner Reise erreichte ich in Darwin. Durch die Nationalparks des Northern Territory kam ich nach Queensland und auf den letzten Etappen ging es entlang der Gold Coast bis ich schließlich nach sechs Monaten wieder in Sydney ankam. Im Schnitt bin ich etwa 85 Kilometer am Tag gefahren. Es gab aber immer wieder Abstecher nach rechts und links, denn ich wollte keinen Geschwindigkeitsrekord aufstellen und an allem Sehenswerten einfach nur vorbeifahren.

Was bedeutet Ihnen das Reisen?
Auf Reisen wird mir immer ganz deutlich bewusst, dass man zum Glücklichsein eigentlich gar nicht viel braucht - in meinem Fall also nur das, was in vier Fahrradtaschen passt. Man lernt die Einfachheit des Lebens zu schätzen. Das vergisst man oft zuhause im Alltag.

Känguru am Strand
Tourism Australia
Begegnung mit Kängurus - in Australien keine Seltenheit.
Gab es auf der Tour Begegnungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Während der Tour hatte ich viele intensive Erlebnisse, sowohl mit Menschen als auch mit Tieren. Die Australier sind sehr gastfreundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Es war nicht ungewöhnlich, dass ein Fremder einen auf ein Bier einlädt oder in den ländlicheren Regionen auch sein Haus als Übernachtungsmöglichkeit anbietet. Landschaftlich ist Down Under wahnsinnig beeindruckend - mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Australien ist ein extremer Kontinent. Gerade mal 22 Millionen Menschen leben hier, die meisten davon an der Ostküste. Der Westen und das Landesinnere, das sogenannte Outback, sind in weiten Teilen unbewohnt. Im Sommer könnenn die Temperaturen dort auf bis zu 50 Grad Celsius steigen. Durch die Abgeschiedenheit des Kontinents vom Rest der Welt sind mehr als 80 Prozent der Flora und Fauna endemisch. Da sitzen zum Beispiel plötzlich Kängurus neben einem, ohne Scheu und schauen ganz neugierig.

An ein Zusammentreffen denken Sie aber besonders gerne zurück...
An einem Strand an der Westküste Australiens tauchte plötzlich im Wasser ein großer Schatten neben mir auf. Zuerst dachte ich, es wäre ein Hai, bei näherem Hinsehen stellte sich aber heraus, dass es ein Mantarochen war, der ziemlich nah an der Küste schwamm. Mit ihm bin ich dann etwa eine Stunde geschnorchelt. Das war fantastisch.

Australien ist ein sehr dünn besiedeltes Land. Auf weiten Strecken begegnet man keiner Menschenseele. Wie kommt man mit der Einsamkeit zurecht?
Das war für mich die größte Herausforderung. Die mentale Belastung war stellenweise sehr groß. Stundenlang begegnet man niemanden, auf der Straße ist kein einziges Auto zu sehen. Ich saß bis zu zehn Stunden am Tag auf dem Fahrrad und musste mich irgenwie beschäftigen, um nicht durchzudrehen. Da habe ich sogar die Linien am Mittelstreifen gezählt. Erschwerend kam noch hinzu, dass ich von den 16.000 Kilometern etwa 7000 Kilometer Gegenwind hatte. Da ist der Frust sowieso schon groß. Und wenn man dann noch durch eine Landschaft fährt, die absolut monoton ist, über Hunderte von Kilometern, schlägt das aufs Gemüt.

Gerade im Outback kann es sehr heiß werden. Wie kommt man bei dieser körperlichen Belastung mit den extremen Temperaturen zurecht?
Oft hieß es für mich sehr früh aufstehen. Teilweise bin ich noch bei absoluter Dunkelheit losgefahren. Als das Thermometer vormittags schon auf über 40 Grad Celsius stieg, habe ich sehr lange Pausen gemacht. Doch gerade im Outback ist es schwierig, Schatten zu finden, da die Vegetation hauptsächlich Buschwerk ist. Erst am späten Nachmittag ging es dann weiter. Wichtig ist natürlich, genügend Wasser dabei zu haben - und Ersatzteile, denn oftmals gab es da draußen keinen Empfang fürs Mobiltelefon.

Raod-Train in Australien
Maximilian Semsch
Vorsicht! Ein Road-Train rollt an.
Australien ist nicht nur bekannt für Kängurus, Surfspots und lässigen Lifestyle, sondern auch für die bis zu 70 Meter langen Road-Trains, die über die Straßen donnern...
Bei Australien denkt man als erstes an giftig Tiere. Das gefährlichste für mich als Radfahrer waren aber tatsächlich die Road-Trains - diese bis zu 130 Tonnen schwere Fahrzeuge, die schon mal mit 110 Stundenkilometern an einem vorbeirasen. Allein der Sog, den solch ein Laster erzeugt, kann einen locker vom Sattel hauen und durch die Luft wirbeln. Sind die Road-Trains einmal in Fahrt, bremsen die Fahrer für nichts - für kein Känguruh, für keine Schlange und auch für keinen Radfahrer. Es gab drei oder vier Überholmanöver, die wirklich haarscharf waren.

Welcher Teil von Australien hat Sie am meisten fasziniert?
Einer der schönsten Streckenabschnitte - auch zum Fahren - war für mich die Great Ocean Road im Bundesstaat Victoria. Die Great Ocean Road beginnt kurz hinter der Stadtgrenze von Melbourne in westlicher Richtung und ist 250 Kilometer lang. Für mich eine der eindrucksvollsten Küstenstraßen Australiens - wenn nicht sogar der ganzen Welt.

Maximilian Semsch hat seine Tour rund um den Roten Kontinent in festgehalten. Den kompletten Film zur Tour "What a Trip - Around Oz" gibt es im Handel und über zu kaufen.


Quelle: www.what-a-trip.de