Texas

Houston Livestock Show and Rodeo

Geschrieben am Dienstag, Oktober 29, 2013 - 10:00

In Houston, die Stadt im tiefen Süd-Westen der Vereinigten Staaten, berühmt durch NASA und die fehlgeschlagene Mondmission Apollo 13, herrscht einmal im Jahr Ausnahmezustand: Dann werden Cowboy-Stiefel, Bootcut-Jeans und Stetson hervorgeholt, und man besinnt sich seiner wilden Vergangenheit, beim - eine Veranstaltung, wie sie amerikanischer nicht sein könnte.

Julie Soefer/Greater Houston Convention and Visitors Bureau
Schafe werden bei Auktionen verkauft.
Von den Einheimischen kurz "Rodeo Houston" genannt, bietet dieses Event mehr, als nur das Beobachten von großviehzähmenden Cowboys. Bevor man ins Reliant Stadium, dem Football-Stadion der Houston Texans und hauptsächlichem Schauplatz gelangt, muss sich ein Weg über den umfunktionierten Parkplatz vor den Toren der Arena gebahnt werden. Verschiedene Fahrgeschäfte und Attraktionen lassen die Menschen auflaufen, Bar-B-Que und andere "kulinarische Spezialitäten" locken: Frittierte Schokoriegel oder frittiertes Speiseeis lassen die Herzen höher schlagen. Im Eingangsbereich der angrenzenden Messehallen sind prämierte Kunstwerke von Schülern aus der Umgebung rund um die Themen Texas und Leben auf dem Land ausgestellt. In den dahinterliegenden Hallen findet die Livestock Show statt: Im Rahmen von Wettbewerben wird besonders gepflegtes und frisiertes Vieh und Geflügel vorgeführt und von einer Jury hinsichtlich Kriterien wie zum Beispiel Größe oder Aussehen benotet. Auch Auktionen werden hier abgehalten.

Langsam lässt man sich in Richtung Stadion treiben. Die Freude der Menschen auf das Bevorstehende liegt in der Luft. Die Meisten sind nicht zum ersten Mal hier. Das Ereignis erinnert an Fußballfans auf dem Weg zum Spiel ihrer Mannschaft - in klassischer Wild-West-Kleidung. Musik tönt aus den Lautsprechern und die Ränge füllen sich. Der erste Teil des abendlichen Unterhaltungsprogramm fängt an: Stars der Rodeo-Szene und ein nichtermüdender Kommentator bieten dem Zuschauer abwechslungsreiche Unterhaltung. Bullen werden zugeritten - jedoch bezwingt das kraftvolle Tier den Herausforderer oftmals bevor dieser die vorgeschriebene Acht-Sekunden-Marke auf dem Rücken des Rinds erreichen kann. Wettkampfrichter bewerten jeden gültigen Versuch nach Form und Stil des Reiters. In anderen Disziplinen versuchen Cowboys und -girls die Tiere mit dem Lasso einzufangen.

Julie Soefer/Greater Houston Convention and Visitors Bureau
Wer möchte, kann sich auch einen Cowboy-Hut machen lassen.
Besonders euphorisch wird der Beifall, wenn der Nachwuchs die Arena betritt: Im Zuge des "Mutton Bustin" versuchen Kinder zwischen fünf und sechs Jahren, sich für acht Sekunden auf Hammeln zu behaupten. In einem weiteren Wettbewerb treten Schüler an, um Kälber zu fangen. Wer hier als Sieger hervorgeht, darf in den nächsten Jahren ein Kalb aufziehen, und wird recht herzlich gebeten, mit diesem auf den kommenden Houston Livestock Shows zu erscheinen. Während Rodeos in Europa aus Tierschutzgründen teilweise verboten sind und in der öffentlichen Kritik stehen, gibt es in den Vereinigten Staaten kaum Widerstand. Für alle Altersklassen stellt dies eine Veranstaltung mit hohem Unterhaltungswert dar - und die Veranstalter machen ein großes Geschäft.

Nach und nach wird die Bildfläche geräumt und die letzten Vorbereitungen für den musikalischen Höhepunkt werden getroffen. Schließlich steht die Bühne, dort wo sich vor wenigen Augenblicken noch Tier und Mensch im Dreck wälzten. Das Flutlicht erlischt und die Hauptperson für diesen Abend tritt ins Rampenlicht. Oder besser gesagt - fährt. Auf der Ladefläche eines Pick-ups. Zur Ehre der Country-Größe Blake Shelton, auch bekannt durch die US-Fernsehsendung "The Voice", haben sich an diesem Abend mehr als 66.000 Menschen eingefunden. Mit einem Whisky in der Hand und einer elektrischen Gitarre an der Hüfte beginnt er sein Programm. Lieder über den Süden, den Alkohol und die Frauen. Ein Feuerwerk setzt den Schlusspunkt.

Von Country-Legende Johnny Cash bis Popsternchen Justin Bieber hat es schon Hunderte mehr oder weniger berühmte Musiker auf die Bühne des Rodeos getrieben, um das Jahr für Jahr zahlreich erscheinende Publikum zu berauschen. Im kommenden Frühling wiederholt sich diese Inszenierung texanischen Brauchtums vom 4. bis zum 23 März. Das Line-up der SängerInnen und Bands wird im Januar bekanntgegeben. Aber wenn wir ehrlich sind: Um die Musik geht eigentlich am Wenigsten.

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