Kulinarik Die leckersten Restaurants und Cafés auf Sizilien

Desserts gehen immer auf Sizilien, sie ersetzen ganze Mahlzeiten. Lassen Sie aber auch Platz für Pasta und andere deftige Klassiker der Insel.
Eine deftige Brotzeit mit
Salsiccia, der feinen Fenchelsalami.

Süße Sünden: Cannoli & Co. 

Drei Schüsse, getragene Filmmusik, die zwei Mafiakiller lassen ihr Opfer tot im Auto zurück, doch bevor sie gehen, sagt einer zum anderen: »Lass die Waffe liegen, nimm die Cannoli.« Die Dolci zurück­ lassen? Undenkbar! Mit dieser Szene aus dem Film »Der Pate« kamen Cannoli, frit­ttierte Teigrollen, gefüllt mit süßem Ricotta und verziert mit kandierten Früchten oder Pistazien, auch in Hollywood an. Sie zählen zu den beliebtesten Süßspeisen Siziliens – was etwas heißen will in einer Region, in der einen niemand schief anschaut, wenn man eine Granita, also ein Sorbet, zum Frühstück isst.

 Die sizilianische Küche mag als eher schlicht gelten, opulent jedoch sta­peln sich die Dolci in den Auslagen der Pasticcerien – gut zu bestaunen im Schau­fenster des Laboratorio Pasticceria Roberto in Taormina. Dessen Chef bezeichnet sich selbst als »Roberto der Cannoli­Zauberer«, verwendet nur Ricotta aus Schafsmilch und befüllt die Röllchen immer frisch. Auch ein Klassiker der sizilianischen Süßspeisen in seinen Auslagen: Cassata, eine Schicht­torte mit Ricotta und Biskuit, bunt verziert mit Marzipan und Früchten.

Adresse: Laboratorio Pasticceria Roberto Taormina Via Calapitrulli 9,

Der Ort Erice im Westen der Insel ist bekannt für sein Mandelgebäck, und so ste­cken in der Pasticceria Maria Grammatico in nahezu allem Mandeln. Sospiri (Seuf­zer), Lingua di suocera (Schwiegermutter­zunge) und Bellibruti (Schön hässlich) tragen zwar keine schmeichelhaften Na­men, verwöhnen aber die Geschmacks­ nerven und kommen praktischerweise in kleinen Häppchen – was die Chance er­höht, sich wenigsten durch ein Viertel des Sortiments probieren zu können. Ein klei­ner Trost für alle, die gern noch mehr ge­testet hätten: Bei einem Kurs in der Koch­schule der Pasticceria können Besucher die Grundlagen der Zubereitung erlernen.

Adresse: La Pasticceria Maria Grammatico Erice, Via Vittorio Emanuele 14,

So bekannt wie Erice fürs Mandelgebäck ist Modica für seine Schokolade. Die ältes­te Manufaktur, Antica Dolceria Bonajuta, rührt die Kakaomasse seit 1880, inzwischen in sechster Generation – und mit ver­ gleichsweise niedriger Temperatur. Weil Schokolade aus Modica in der Regel nicht auf mehr als knapp 40 Grad erhitzt wird, haben die Tafeln eine bröselige Konsistenz und ein besonders intensives Kakaoaroma. Bei der traditionellen Herstellung können Besucher im Rahmen einer Führung zu­ sehen und das Ergebnis anschließend ver­ kosten. Die Variante mit Majoran ist sehr zu empfehlen!

Adresse: Antica Dolceria Bonajuto Modica Corso Umberto I 159,

Deftige Teigwaren: Pasta

 Nach der Uraufführung soll das Publikum in der Mailänder Scala den Komponisten ausgepfiffen haben. Inzwischen aber gilt Vincenzo Bellinis Oper »Norma« als musikalisches Meisterwerk und ist Namenspatin für ein kulinarisches: die Pasta alla Norma. Sie besteht aus kurzen Makkaroni (niemals Spaghetti!) mit weich gebratenen oder frittierten Auberginen und Tomatensoße, bestreut mit Basilikum und salzigem Ricotta. Bodenständig und mit dem Prädikat »Von einer echten Nonna gekocht« kommen sie in der Nuova Trattoria del Forestiero von Rosanna De Fiore in der Nähe des Fischmarktes in Catania auf den Tisch. Die Fotos an den Wänden beweisen, dass auch berühmte Gäste Rosannas Hausmannskost schätzen.

Adresse: Nuova Trattoria del Forestiero Catania, Via Pietro Antonio Coppola 24, Tel.: 095 316283

In Palermo serviert das Bisso Bistrot am Quattro Canti den Klassiker, hier allerdings ohne Ricotta, in lässigem Großstadt-Schick zwischen den unverputzten Wänden einer ehemaligen Buchhandlung. Warum die Pasta eigentlich nach der Oper benannt wurde? Die geläufigste Antwort: Bellinis Werk kam auf Sizilien so gut an, dass sich der Superlativ »Una vera Norma« (»eine echte Norma«) durchsetzte – was wiederum auch auf die Pasta zutrifft.

Adresse: Bisso Bistrot Palermo, Via Maqueda 172a,

Heimische Slow-Food-Produkte

Sie ist arm und doch reich, die Küche, die da in Palermos Altstadtviertel Kalsa zwischen rohen Steinwänden eines alten Palazzo serviert wird. Arm ist sie an Zutaten, manches Gericht besteht aus nur einer Handvoll. Reich ist sie an Aromen, denn die Osteria Ballarò hat sich auf heimische Slow-Food-Produkte spezialisiert. Vieles liefern Kleinbauern, darunter auch kulinarische Raritäten: das Filet vom schwarzen Schwein aus den Nebrodi-Bergen etwa. Dazu gibt es sizilianische Weine oder regionale Craft-Biere.

Adresse: Palermo, Via Calascibetta 25,

Wie und wann es hier am besten schmeckt

Aller Anfang ist süß Frischer als mit einer Granita kann ein Tag wohl kaum beginnen. Das sizilianische Ur-Frühstück besteht aus Zitronensaft, Wasser und Zucker, gefroren und wie ein Sorbet gerührt, aber körniger. Ebenfalls lecker: die Mandel- oder Mandarinen-Variante – und dazu eine Brioche zum Eintunken!

Mittags gern opulent Man nimmt sich Zeit fürs Mittagessen. So ein Pranzo kann – vor allem an Sonntagen – gern zwei Stunden dauern. Es beginnt mit Antipasti, danach kommt der primo, der erste Gang, meist ein Pastagericht. Nach dem secondo mit Fisch oder Fleisch folgt unbedingt noch ein Dessert.

Dazwischen passt ein Drink Das Ritual, den Abend mit einem Aperitivo einzuläuten, haben sich die Sizilianer im Norden abgeschaut. Vor allem in Palermo wird es immer beliebter.

Der Abend ist frei Theoretisch kann das Abend- wie das Mittagessen ablaufen – Hut ab, wer das schafft. Abgespeckte Variante: nach der Vorspeise nur primo oder secondo bestellen. Oder gleich auf den Apericena oder Aperitivi rinforzati (verstärkter Aperitif) umschwenken und mit Häppchen zum Drink das formale Dinner ersetzen.