Fanö in Dänemark Austern für alle - das exklusive Meerestier hat Saison

Nur 12 Minuten dauert die Überfahrt vom dänischen Esbjerg nach Fanö. Doch dort fühlt man sich wie in einer anderen Welt: Auf der Nordseeinsel beginnt jetzt im Oktober die Austernsaison. Ein großer Spaß für Winterurlauber und Gourmets, denn die edlen Muscheln gibt es hier gratis.

Sönderho, Sönderho Krog von 1722

Winter an der Nordsee ist nichts für Stubenhocker. Wind und Wellen zeigen in den kalten Monaten, was sie können. Auf Amrum und Sylt sind mit den Strandkörben längst die letzten Urlauber verschwunden. Winterruhe. Nur 50 Kilometer nördlich beginnt auf Fanö die zweite Saison. Denn in den kalten Monaten, denen mit einem “R” im Namen, kommen die Gourmets, Genießer und Hobbyköche auf die Insel. Vor allem aus Kopenhagen und Aarhus, aber immer mehr reisen auch aus Hamburg, Bremen oder Hannover an. Denn während Austern anderswo als Delikatesse zu Spitzenpreisen gehandelt werden, kostet das edle Weichtier auf Fanö nur die Mühe, sich zu bücken, um es aufzuheben.

Austern gibt es überall in der Nordsee. Im flachen Wattenmeer zwischen Fanö und Esbjerg sind sie allerdings besonders leicht zu ernten. Und im Windschatten der Insel wird es auch im Winter nicht richtig kalt. Hier hat sich vor einigen Jahren die Pazifische Felsenauster breitgemacht, die gegenüber der kleineren Nordsee-Auster viel mehr Fleisch bietet. Und da der Einwanderer zusehends die heimische Miesmuschel verdrängt, sieht es der dänische Staat sogar gerne, wenn Feinschmecker hier auf Sammeltour gehen – auch wenn die Austernbänke mitten im Nationalpark Wattenmeer liegen.

Austernfestival: Spitzenköche zeigen ihr Können an der Schale

Austernfestival, Nordby

Austernfestival, Nordby

Zum jährlichen “Austernfestival” kommen sogar Sterneköche aus den besten Restaurants Dänemarks auf die Insel mit ihren idyllischen Dörfern Nordby und Sönderho. Beim Austernfest zeigen die Profiköche den staunenden Gästen, was man aus den Austern, die sie morgens im Watt gesammelt haben, alles machen kann: Der eine wirft die Muscheln auf den Grill und verfeinert sie mit Kräuterbutter und Parmesan. Der nächste backt sie in Teig oder verfeinert sie mit Erdbeeren, Kaviar oder Schinken. Nicht einmal drei Euro kostet eine Portion, genauso wie der obligatorische Champagner. Hier will niemand Geld verdienen – das Spektakel dient der Tourismuswerbung.

Jesper Danneberg Voss, der in seiner dunkelbraunen Lederschürze aussieht wie ein Seeräuber aus der Serie “Game of Thrones”, ist einer derjenigen, die den Austern-Boom auf Fanö mit angefacht haben. 30 Jahre lebte er in Luxemburg, arbeitete für die EU und als Personalberater, dann kam die Sinnkrise und der Umzug nach Fanö, das er bis dahin nur als Urlaubsziel kannte. Jetzt veranstaltet Voss Touren ins Watt für Gourmets, hat ein Kochbuch geschrieben und ist auch als Koch ziemlich kreativ. Statt mit Champagner, wie die meisten anderen, genießt er das Schalentier am liebsten mit einem dunklen Bier aus der beliebten Fanöer Inselbrauerei. Heute ist der 53-Jährige der selbsternannte “Oyster King of Fanö” und träumt davon, einmal Königin Margarete auf der Insel bewirten zu dürfen.

Wildkräutersammeln bei Halen an der Ostküste

Wildkräutersammeln bei Halen an der Ostküste

Kräutersammeln in den Dünen

Auch Thomas Laursen, eigentlich ein Volksschullehrer, profitiert vom Austernboom. Er geht mit Hobbyköchen und neugierigen Feriengästen in den Dünen und der Heide von Fanö zum Kräutersammeln. Erstaunlich, was sich dort an Wildkräutern und Farnen findet, aus denen der Mittdreißiger später Salate oder Würze für Austerngerichte zaubert. Fast alle Restaurants auf der 3000-Seelen-Insel werden von Laursen beliefert.

Nina Bauer hingegen ist nur zu Gast auf der Insel. Die 40-jährige Historikerin aus Kopenhagen forscht seit Jahren über die Geschichte der Auster als Aphrodisiakum. “Ist doch toll, wenn man über Sex reden kann und dafür auch noch Geld bekommt”, sagt die Dozentin und lacht. Schließlich gelten Austern als das älteste Viagra der Welt. Schon die Römer waren verrückt nach den Muscheln und Casanova schreibt in seinen Memoiren, dass er täglich bis zu 200 der Schalentiere vertilgte.

Steigern Austern denn tatsächlich Lust und Leistungsfähigkeit beim Sex? “Wissenschaftlich lässt sich das nicht belegen”, sagt Nina Bauer. “Allerdings enthalten sie viel Zink, und das wirkt auf den männlichen Organismus. Und solange die Männer das glauben, hilft es ja auch. Und das ist auch gut für uns Frauen,” sagt Bauer lachend.

Auf jeden Fall aber belebt der Mythos der Auster den Tourismus auf Fanö. Das jedenfalls lässt sich belegen.

Informationen:

Touristeninformationen: Visit Fanö (), Visit Denmark ()

Jesper Voss, Austernkönig: Für Touren einfach anrufen, Jesper spricht perfekt deutsch: Tel. 0045 28222074, Internet:

Buchtipp: Jesper hat ein wunderbares Kochbuch geschrieben mit 34 Rezepten, tollen Fotos und allem Wissenswertem zum Thema Austern: “”, ISBN 978-3000543647

Autor

Andreas Hallaschka