Südafrika Kapstadts blühende Arche Noah

Kapstadts Botanischer Garten am Osthang des Tafelbergs ist weltberühmt. In der blühenden "Arche Noah" sind Pflanzen zu finden, die in freier Natur bereits ausgestorben sind.
Der Botanische Garten in Kapstadt

Alte Männer verlieren ihre Haare, mit etwas Glück nur die Haarfarbe. Alte Hecken indes bestechen auch im biblischen Alter noch durch sattes Grün. Zumindest bei dieser ist es so: Mehr als 350 Jahre alt ist das eindrucksvolle Geäst, das Kapstadts Gründervater Jan van Riebeeck einst am südöstlichen Rand des Tafelbergs pflanzte, um so die Plantagen europäischer Siedler vor jenen unerwünschten Besuchern zu schützen, die sie "Buschmänner" nannten.

Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt: Europäer legen am Kap den Grundstein für die "Mother City". Gleichzeitig durchschnitten immer mehr Hecken, Zäune und Mauern das einst so freie Land. Sie verdrängten die San und Khoikhoi, die Ureinwohner, von denen es heute nur noch wenige gibt. Van Riebeecks Mandelhecke aber erfreut sich noch heute bester Gesundheit. Sie ist eines von vielen pflanzlichen Unika im .

Die botanische Arche Noah Südafrikas lässt staunen: Von den etwa 22.000 Pflanzenarten, die zwischen Krüger-Park und Kap heimisch sind, beherbergt Kirstenbosch 9000. Ein Spaziergang durch die 36 Hektar große Anlage ist besonders in der zweiten Jahreshälfte ein atemberaubendes Erlebnis - auch der Düfte wegen. Überspannt vom meist azurblauen Kapstädter Himmel und vor der Kulisse des Tafelbergs blüht es in allen Farben. Heimische Vögel wie Kapgrassänger oder Girlitze bedienen sich in diesem an Blüten und Nektar so reichen Garten.

Kirstenbosch Botanischer Garten in Kapstadt.
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Etwa 9000 Planzenarten sind im Botanischen Garten zu finden.
Gleich hinter dem Eingang begrüßt Madiba die Gäste, "Vater". So heißt in Südafrika eigentlich nur einer: Nelson Mandela. Dass auch eine Pflanze so heißt, ist ein blumiger Dank der Kapstädter Botaniker an den Vater der Rainbow-Nation. Das Herzstück des Parks ist aber der Protea-Garten. Was dem Niederländer die Tulpe, ist dem Südafrikaner die Protea: ein nationales Symbol. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Pracht einer Protea jede Tulpe blass aussehen lässt. Die Königsprotea, Südafrikas Wappenblume, wächst vor allem in der Kapregion mit ihren grandiosen Blüten auf bis zu drei Meter hohen Sträuchern.

Ein absurder Streit beschäftigte das Land vor ein paar Jahren, ausgelöst durch die Liebe zu zwei Sportarten: Cricket und Rugby. "The Proteas" ist der Name von Südafrikas Cricket-Team. Als "Springboks" wiederum ist Südafrikas Rugbymannschaft bekannt. Doch nationale Sportfunktionäre wollten auch die "Springböcke" in "The Proteas" umbenennen.

Der Botanische Garten in Kaptstadt vor dem Tafelberg.
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Immer wieder laden Parkbänke zum Verweilen ein.
Unter Rugby-Fans löste das einen Aufschrei der Empörung aus: stiernackige Kampfmaschinen, benannt nach der grazilen Königin unter den Blumen? Welcher Gegner sollte diese Mannschaft noch ernst nehmen? Die Namensattacke wurde abgeschmettert. Der Liebe des Landes zur Nationalblume tut dies aber keinen Abbruch: Hotels, Restaurants, Straßen tragen den Namen Protea. Und sie sorgt für Jobs, denn die Blume wird - frisch, als Trockenblume und als Saat - in alle Welt exportiert.

Palmfarne waren Hauptnahrungsquelle der Dinosaurier

Der vielleicht wertvollste Teil des Gartens sind die Palmfarne - eine steinalte Pflanzengattung, die sich vor 200 Millionen Jahren entwickelte. Später war sie die Hauptnahrungsquelle der Dinosaurier. Das Palmfarn-Amphitheater - eine mit Natursteinplatten gepflasterte und von Bächen durchzogene Terrassenlandschaft - mutet wie ein pflanzlicher Jurassic Park an. Große, zusammenhängende Waldgebiete waren über Jahrmillionen ein Garant für das Überleben dieser pflanzlichen Dinos - bis der Mensch kam. So steht in Kirstenbosch eines von weltweit wenigen Exemplaren der Spezies Encephalartos woodii, die in freier Natur bereits ausgestorben ist.

Was bei den Palmfarnen untersagt ist: berühren, beschnuppern, pflücken. In anderen Bereichen des Parks ist dies aber erlaubt. Es gibt zum Beispiel einen Blindenweg, in dem Pflanzen befühlt werden können, und einen Duftgarten. Im Südafrikanischen Sommer, wenn das Blütenmeer allmählich an Kraft verliert, lädt der Park zu Open-Air-Events. Die Kapstädter, ein Volk von unverbesserlichen Picknick-Fans, bevölkern mit prall gefüllten Kühltaschen die Rasenanlagen. Und van Riebeecks alte Hecke erfüllt dann einen ähnlichen Zweck wie damals: So mancher Konzertbesucher, der den Eintritt sparen will, muss den Rückweg antreten, nachdem er keinen Weg durchs Mandelstrauch-Dickicht gefunden hat.

Autor

Harald Stutte